Anonym
Finanzexperte · Financer


Ein Gemeinschaftskonto ist ein Bankkonto, das von zwei oder mehr Personen gemeinsam geführt wird. Ob Eheleute, unverheiratete Paare oder WG-Mitbewohner: Das gemeinsame Konto soll den Alltag bei geteilten Ausgaben vereinfachen. Klingt praktisch, hat aber auch seine Tücken.
In diesem Artikel erfahren Sie, wann ein Gemeinschaftskonto sinnvoll ist, welche Risiken Sie kennen sollten und warum die Kontowahl Auswirkungen auf Ihre SCHUFA und Ihre Steuern haben kann.
Ein Gemeinschaftskonto lohnt sich vor allem dann, wenn Sie regelmäßig gemeinsame Ausgaben mit einer anderen Person teilen. Das betrifft in erster Linie Paare, die zusammenleben, verheiratete Partner und Wohngemeinschaften.
Typische Ausgaben, die über ein Partnerkonto laufen:
Der große Vorteil: Beide Partner überweisen monatlich einen festgelegten Betrag auf das Gemeinschaftskonto, und alle laufenden Kosten werden automatisch von dort bezahlt. So gibt es weniger Diskussionen darüber, wer wann was bezahlt hat.
Ein gemeinsames Konto bringt einige handfeste Vorteile mit sich, die den finanziellen Alltag spürbar erleichtern können.
So praktisch ein Gemeinschaftskonto auch ist, es gibt Risiken, die Sie vor der Eröffnung kennen sollten.
Wenn Sie ein Gemeinschaftskonto eröffnen, müssen Sie sich zwischen zwei Varianten entscheiden:
Das Oder-Konto ist die Standardform. Jeder Kontoinhaber kann eigenständig Überweisungen ausführen, Bargeld abheben und Daueraufträge einrichten. Es ist keine Zustimmung des anderen notwendig. Nur für die Auflösung des Kontos braucht es die Unterschrift beider Partner.
Das Und-Konto erfordert bei jeder Transaktion die Zustimmung aller Kontoinhaber. Das macht den Alltag aufwändig und unpraktisch. In der Praxis wird diese Variante fast ausschließlich von Vereinen oder Geschäftspartnern genutzt, um Missbrauch vorzubeugen.
| Merkmal | Oder-Konto | Und-Konto |
|---|---|---|
Verfügung | Jeder Inhaber einzeln | Nur gemeinsam |
Überweisungen | Ohne Zustimmung möglich | Alle müssen zustimmen |
Kontoauflösung | Beide müssen zustimmen | Beide müssen zustimmen |
Haftung | Gesamtschuldnerisch | Gesamtschuldnerisch |
Praxiseignung | Ideal für Paare und WGs | Vor allem für Vereine |
Missbrauchsschutz | Gering | Hoch |
Wechseln Sie zu einem Bankkonto, das genauso hart arbeitet wie Sie - mit besseren Vorteilen und niedrigeren Kosten.
Zum Girokonto-Vergleich!Eine Trennung macht das Gemeinschaftskonto zum Problemfall. Beim Oder-Konto kann jeder Partner weiterhin allein über das gesamte Guthaben verfügen. Im schlimmsten Fall leert ein Partner das Konto, bevor der andere reagieren kann.
Rechtlich gilt: Hebt ein Ehegatte mehr als die Hälfte des Guthabens ab, kann der andere einen Ausgleich des übersteigenden Betrags verlangen. Beim Und-Konto entsteht das umgekehrte Problem: Ohne Zustimmung beider Partner ist gar keine Transaktion möglich. Das kann dazu führen, dass laufende Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können.
Empfehlung bei Trennung:
Ein häufig übersehenes Risiko beim Gemeinschaftskonto betrifft die Schenkungssteuer. Wenn nur ein Partner auf das Konto einzahlt, kann das Finanzamt die Hälfte des eingezahlten Betrags als Schenkung an den anderen Partner werten.
Für Eheleute liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro pro zehn Jahre. In den meisten Fällen entsteht hier kein Problem. Für unverheiratete Partner beträgt der Freibetrag hingegen nur 20.000 Euro in zehn Jahren. Bei hohen Einzahlungen eines Partners kann die Grenze schnell überschritten werden.
Der Bundesfinanzhof hat allerdings entschieden (BFH-Urteil vom 23.11.2011), dass nicht automatisch eine Schenkung vorliegt, wenn nur der einzahlende Partner tatsächlich über das Konto verfügt.
So vermeiden Sie steuerliche Probleme:
Ein Gemeinschaftskonto wird der SCHUFA gemeldet und bei beiden Kontoinhabern vermerkt. Die SCHUFA erstellt dabei eine sogenannte Personenverbindung zwischen den Inhabern. Das hat eine wichtige Konsequenz: Negative SCHUFA-Einträge des einen Partners können sich auf die Bonität des anderen auswirken.
Außerdem gilt: Wer neben dem Gemeinschaftskonto noch ein eigenes Girokonto, eine Kreditkarte und weitere Konten unterhält, sammelt mehrere Einträge bei der SCHUFA. Mehr als zwei bis drei Girokonten können Ihrem SCHUFA-Score schaden, weil die SCHUFA unterstellt, dass viele Konten ein höheres Risiko bedeuten.
Tipp: Achten Sie darauf, die Kreditanfrage bei der Kontoeröffnung als "Konditionsanfrage" (nicht "Kreditanfrage") stellen zu lassen, damit Ihr SCHUFA-Score nicht belastet wird.
Die Eröffnung eines Gemeinschaftskontos funktioniert bei den meisten Banken online und ist innerhalb weniger Minuten erledigt. Folgende Voraussetzungen gelten in der Regel:
Viele Direktbanken wie die DKB oder ING bieten kostenlose Gemeinschaftskonten an. Bei der ING beispielsweise entfällt die Kontoführungsgebühr ab 1.000 Euro monatlichem Geldeingang. Die DKB verlangt keine Gebühren für das Gemeinschaftskonto und bietet eine kostenlose Visa-Debitkarte für beide Kontoinhaber.
Wenn Sie bereits ein Girokonto besitzen, können viele Banken Ihr Einzelkonto in ein Gemeinschaftskonto umwandeln. Alternativ eröffnen Sie ein neues Konto und behalten Ihr privates Konto für persönliche Ausgaben bei.
Ein Gemeinschaftskonto ist nicht die einzige Möglichkeit, gemeinsame Finanzen zu organisieren. Je nach Situation können diese Alternativen sinnvoller sein:
Vollmacht auf dem Einzelkonto: Ein Partner erteilt dem anderen eine Bankvollmacht auf seinem bestehenden Konto. Vorteil: Kein zusätzliches Konto nötig. Nachteil: Nur der Kontoinhaber haftet, und der Bevollmächtigte hat im Todesfall des Kontoinhabers sofortigen Zugriff (was erbrechtlich relevant sein kann).
Apps zum Ausgaben-Teilen: Tools wie Splitwise oder die Gruppenfunktionen von PayPal ermöglichen das Teilen von Ausgaben ohne gemeinsames Konto. Sinnvoll für WGs oder Paare, die ihre Finanzen getrennt halten wollen.
Shared Spaces bei Neobanken: Anbieter wie N26 oder Revolut bieten gemeinsame Unterkonten an, bei denen Sie Ausgaben teilen können, ohne ein vollwertiges Gemeinschaftskonto zu eröffnen. Der Vorteil: Keine SCHUFA-Abfrage, da es sich nicht um ein eigenständiges Konto handelt.
Haushaltsbuch-Apps: Für Paare, die lediglich den Überblick über gemeinsame Ausgaben behalten wollen, kann eine Haushaltsbuch-App genügen.
Für die meisten Paare eignen sich kostenlose Direktbanken wie die DKB oder ING am besten. Die DKB bietet ein gebührenfreies Gemeinschaftskonto mit kostenloser Visa-Debitkarte für beide Inhaber. Bei der ING entfällt die Kontoführungsgebühr ab 1.000 Euro monatlichem Geldeingang. Beide Banken ermöglichen die Eröffnung komplett online.
Ja, grundsätzlich schon. Beachten Sie aber den steuerlichen Aspekt: Der Schenkungssteuerfreibetrag liegt bei unverheirateten Partnern bei nur 20.000 Euro in zehn Jahren. Wenn nur ein Partner auf das Konto einzahlt, kann das Finanzamt die Hälfte als Schenkung werten. Achten Sie darauf, dass beide Partner möglichst gleich hohe Beträge einzahlen.
Gegen ein Gemeinschaftskonto sprechen vor allem die gesamtschuldnerische Haftung (beide haften für alle Verbindlichkeiten), das Pfändungsrisiko und die SCHUFA-Personenverbindung zwischen den Kontoinhabern. Außerdem kann bei einer Trennung ein Oder-Konto zum Problem werden, wenn ein Partner das gesamte Guthaben abhebt.
Beim Oder-Konto kann jeder Partner weiterhin allein über das gesamte Guthaben verfügen. Empfehlung: Wandeln Sie das Oder-Konto sofort in ein Und-Konto um, kündigen Sie Daueraufträge, teilen Sie das Restguthaben und schließen Sie das Konto. Hebt ein Partner mehr als die Hälfte ab, besteht ein Ausgleichsanspruch.
Ja. Das Gemeinschaftskonto wird bei der SCHUFA vermerkt und es entsteht eine Personenverbindung zwischen den Kontoinhabern. Negative Einträge des einen Partners können so die Bonität des anderen beeinflussen. Zudem kann die Eröffnung eines zusätzlichen Girokontos den SCHUFA-Score leicht belasten.
Haben Sie eine Frage zu diesem Thema? Fragen Sie die Community.
E-Mail bestätigt. Ihr Kommentar erscheint nach der Prüfung.
Der Link ist abgelaufen. Senden Sie Ihren Kommentar erneut.
Anonym
Finanzexperte · Financer
Bankkonten vergleichen
ab 0 € /Monat
20 Optionen
14 Min. LesezeitPersönliche Finanzen
11 Min. LesezeitPersönliche Finanzen
17 Min. LesezeitPersönliche Finanzen
12 Min. LesezeitPersönliche Finanzen
7 Min. LesezeitPersönliche Finanzen
Treten Sie *Financer Stacks* bei - Ihr wöchentlicher Ratgeber für die Beherrschung der Geldgrundlagen, zusätzliches Einkommen und die Schaffung eines Lebens, in dem Geld für Sie arbeitet.